Modulares Nachtzugkonzept verbindet unterschiedliche Reisebedürfnisse mit wirtschaftlichem Betrieb / 1:1-Mock-up auf der InnoTrans zu sehen / Preisverleihung am 17. November in der Frankfurter Paulskirche
Wie muss ein Nachtzug aussehen, damit Geschäftsreisende ebenso gerne einsteigen wie Familien, Alleinreisende oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität? Das Entwicklungsprojekt ALISA gibt darauf eine modulare Antwort – und erhält dafür 2026 den Sonderpreis „Mobilitätsdesign“ des Innovationspreises der deutschen Mobilitätswirtschaft. Hinter ALISA stehen die TRICON AG, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), K+V, Satek und GETA. Gemeinsam entwickeln sie einen Doppelstock-Schlafwagen, dessen Innenraum sich für unterschiedliche Angebote konfigurieren lässt. Die Auszeichnung wird am 17. November 2026 in der Frankfurter Paulskirche verliehen.
„Gutes Mobilitätsdesign ist weit mehr als eine schöne Hülle“, sagt Prof. Knut Ringat, RMV-Geschäftsführer und Juryvorsitzender des Innovationspreises. „ALISA überzeugt die Jury, weil das Konzept konsequent bei den Reisenden ansetzt. Familien, Geschäftsreisende oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität finden jeweils Angebote, die zu ihren Anforderungen passen.“
Ein Zug, viele Reiseangebote
Grundlage des Konzepts sind standardisierte Abteilgrößen, die unterschiedlich ausgestattet werden können. Das Spektrum reicht vom Schlafsessel und Business-Sleeper über Einzel- und Doppelkabinen bis zu Familien-, barrierefreien und VIP-Apartments. „Gerade im Nachtzug treffen sehr unterschiedliche Erwartungen auf begrenzten Raum“, sagt Prof. Dr. Jan Ninnemann, Präsident der DVWG. „ALISA zeigt, wie sich daraus unterschiedliche Angebote entwickeln lassen, ohne für jedes Einsatzgebiet ein eigenes Fahrzeugkonzept zu benötigen.“
Höhere Auslastung durch modulare Bauweise
Ein zentraler Baustein für einen wirtschaftlicheren Betrieb ist die Tag-Nacht-Nutzung. Die Innenräume können je nach Einsatz unterschiedlich genutzt werden: Sitzbereiche werden nachts zu Schlafplätzen, andere Module lassen sich auf die erwartete Nachfrage abstimmen. So kann dieselbe Fahrzeugplattform über mehr Stunden des Tages eingesetzt und besser ausgelastet werden.
Auch bei der Zugbildung setzt ALISA auf Flexibilität. Vorgesehen sind fest gekuppelte Drei-Wagen-Einheiten, die miteinander oder mit konventionellen Reisezugwagen kombiniert werden können. Dieses Flügelkonzept ermöglicht es, Zugteile unterwegs zu trennen und unterschiedliche Ziele anzusteuern. Strecken und Relationen mit verschieden starker Nachfrage lassen sich dadurch gezielter bedienen.
„Bei der Entwicklung mussten wir zwei Fragen gleichzeitig beantworten: Was macht eine Nachtzugreise für die Fahrgäste attraktiv – und unter welchen Bedingungen lässt sich ein solches Angebot dauerhaft betreiben? Genau an dieser Schnittstelle ist ALISA entstanden. Die Auszeichnung bestätigt uns darin, die nutzerzentrierte Gestaltung nicht isoliert, sondern gemeinsam mit den betrieblichen Anforderungen zu betrachten“, sagt Dieter Kobel, Vorstand der TRICON AG.
